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„Das schwierigste Turnier, das ich je gespielt habe“: Deutsche Handballer sind bereit für die EM
Mit zwei Siegen gegen Vizeweltmeister Kroatien beendet das DHB-Team die Vorbereitung. In Herning wartet eine schwere Vorrunde, doch die deutsche Mannschaft ist selbstsicher.
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Die Generalprobe ist vorbei, die Koffer sind gepackt und das Team bereit. Die beiden Testspiele gegen Kroatien haben gezeigt, dass die deutsche Handball-Nationalmannschaft funktioniert, wenn es darauf ankommt: zwei Siege und ein klares Signal an die Konkurrenz.
Bundestrainer Alfred Gislason hat alles ausprobiert, Spieler und Kombinationen getestet – und kann selbstsicher zur Europameisterschaft reisen, die am Donnerstag im dänischen Herning beginnt.
32:29 in Zagreb, 33:27 beim Rückspiel in Hannover – zweimal setzten sich Deutschlands Handballer gegen den amtierenden Vizeweltmeister Kroatien durch. Gegen einen Gegner, der Deutschland zuvor viermal in Serie geschlagen hatte und den sich die Verantwortlichen bewusst ausgesucht haben. Nicht wegen der Ergebnisse, sondern wegen der Anforderungen.
„Ich freue mich natürlich, dass die Jungs Selbstvertrauen getankt und wir gewonnen haben“, sagt Gislason. „Aber das zählt nicht, das nächste Spiel ist wichtig. Jetzt geht’s erst los – und es geht um sehr viel in Dänemark.“
Am Donnerstag startet das Turnier mit dem Auftaktspiel gegen Österreich (20.30 Uhr, ARD). Es folgen Serbien (17. Januar, 20.30 Uhr, ARD) und Spanien (19. Januar, 20.30 Uhr, ZDF). Eine Vorrundengruppe, die keinen Spielraum für Anlaufprobleme lässt. Entsprechend wenig kann sich die Mannschaft auf den Testsiegen ausruhen. „Es ist natürlich ein gutes Gefühl und schön, wenn man gewinnt“, sagt Juri Knorr. „Auf der anderen Seite ist das ziemlich egal – gegen Österreich wird es ein völlig anderes Spiel.“
Nicht so egal ist die Gewissheit, dass die Grundlagen stimmen – vor allem defensiv. Gislason probierte in beiden Partien zahlreiche Varianten im Innenblock aus: mit Johannes Golla, Jannik Kohlbacher, Julian Köster, Justus Fischer sowie den Abwehrspezialisten Tom Kiesler und Matthes Langhoff.
Gislason hat viele Optionen
Letztere rücken immer stärker in den Fokus. „Kiesler und Langhoff sind unter den flexibelsten und talentiertesten Abwehrspielern überhaupt, weil sie auf allen Positionen spielen können“, sagt der Bundestrainer. „Es gibt weltweit nicht viele Spieler, die das können. Und das hilft uns jetzt enorm.“
Der Effekt ist sichtbar: Deutschland hat deutlich mehr Optionen als noch vor einem Jahr. „Wir haben jetzt eine Breite im Innenblock, die wir zuletzt nicht hatten“, betont Gislason und verweist auf Wechselmöglichkeiten, die in engen Phasen entscheidend sein können.
Passend dazu die Leistungen der Torhüter: David Späth glänzte in Zagreb mit 14 Paraden, Andreas Wolff in Hannover mit 18. „Es ist unfair, die beiden zu vergleichen“, sagt Gislason. „Andi hat mehr Erfahrung, David ist auf seinen Spuren. Es sind zwei extrem gute Torhüter – ein Weltklasse-Paar.“
Mit allen 18 Spielern reist die DHB-Auswahl nach Herning, auch wenn letztlich nur 16 auf dem Spielberichtsbogen stehen dürfen. Rotationen in der Aufstellung sind aber von Spiel zu Spiel möglich. Für Berlins Nils Lichtlein heißt das: Auch hinter den starken Spielmachern Knorr und Köster kann er sich ins Team einbringen. In Zagreb blieb er noch ohne Einsatz, in Hannover nutzte er seine Chance. „Ich habe alles gegeben und bin immer bereit“, sagt der 23-Jährige. „Ich hoffe, dass der Trainer das auch so sieht.“
Offensiv fühlt sich die Mannschaft ebenfalls gut vorbereitet – trotz klar benannter Baustellen. „Wir haben eine richtig gute Vorbereitung absolviert, konnten viel Selbstbewusstsein tanken und können mit breiter Brust ins Turnier gehen“, sagt Miro Schluroff. Renars Uščins ergänzt: „Das Tempospiel hat gut geklappt. Der einzige Mangel ist, dass wir eine Drei-, Vier-Tore-Führung wieder hergeben. Das dürfen wir uns auf diesem Level nicht erlauben.“
Wir fahren dorthin, um die Hauptrunde zu überstehen. Aber es wird extrem schwierig.
Juri Knorr
Die Mannschaft weiß, wo sie steht – und was sie noch verbessern muss. Die Abwehr ist breit aufgestellt, die Torhüter liefern auf Weltklasse-Niveau, im Angriff stimmt der Plan, auch wenn noch nicht alles fehlerfrei läuft. „Wir haben nicht das Gefühl, dass wir noch an zu vielen Schrauben drehen müssen“, sagt Uščins. „Sondern einfach das Spiel, das wir jetzt spielen, auf höherem Niveau weiter abrufen müssen – gerade unter Druck.“
Der Druck kommt früh, aber das Ziel ist klar: „Wir fahren dorthin, um die Hauptrunde zu überstehen“, erklärt Knorr. „Aber es wird extrem schwierig – das schwierigste Turnier, das ich je gespielt habe.“
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